Review: Hearthstone

Dieses Thema wurde von Zetwonso gestartet, 11. Apr. 2014.

?

Worüber soll als nächstes geschrieben werden?

  1. Nostalgia Review: Die Mass Effect Reihe (Wann kommt Me4?)

    10,0%
  2. Bericht über Riots Aprilscherz U.R.F. (Ultra Rapid Fire)

    0 Stimme(n)
    0,0%
  3. Eventvorstellung Minecraft (Möglichkeiten für neue Events)

    20,0%
  4. Was macht ein gutes Spiel aus (Analyse des meistdotierten Games des letzten Jahres: Last of Us)

    30,0%
  5. Wir schauen uns den Goat Simulator an

    10,0%
  6. Bericht über die PAX East 2014

    10,0%
  7. Preview zu Watchdogs

    20,0%
  1. Zetwonso

    Zetwonso Berühmtheit
    Legende

    Zeit für ein Duell

    Die einen überraschte es, dass Blizzard vor rund einem Jahr ein Free to Play Onlinekartenspiel ankündigte, die anderen freuten sich sofort darauf. Während die Überraschten noch bezweifelten, dass sich Blizzards hohe Standards auch bei einem Free to Play Titel halten liessen, sahen die Anderen in Hearthstone bereits einen neuen Titel für die eSport Szene. Ob "Hearthstone - Heroes of Warcraft" tatsächlich die hohen Erwartungen erfüllt erfahrt ihr in dieser Review.


    swiss-hearthstone-community.png
    Der Titelbildschirm von Hearthstone


    Einfaches Spielprinzip, viel Taktik


    Startet der Spieler Hearthstone zum ersten Mal, so wird er nach dem den Launchtrailer durch ein kurzes Tutorial geschickt, welches ihm die wichtigsten Grundlagen erklärt. Hearthstone setzt dabei auf typische Kartenspielregeln, wobei die grundlegende Spielmechanik möglichst simpel gehalten wurde. Jeder Spieler beginnt die Partie mit 30 Lebenspunkten und einer festen Anzahl an Karten. In jedem Zug erhalten wir eine Karte, welche oben links mit einer in einem blauen Kristall markierten Zahl markiert ist. Diese Zahl gibt an, wie viele Manapunkte nötig sind, um die Karte auszuspielen. Zu Beginn jeder Partie besitzen wir immer nur einen Manapunkt, doch die Anzahl des verfügbaren Mana steigt von Runde zu Runde um einen Punkt bis zu einem Maximum von 10 Manapunkten. Nun gilt es durch geschicktes Ausspielen unserer Karten und durch das Einsetzen der so genannten Heldenfähigkeit (Ein spezieller Zauber) die Lebenspunkte des Gegners auf 0 zu bringen und somit das Spiel für sich zu entscheiden.

    Die Grundlagen des Spiels sind schnell erlernt, doch um erfolgreich Hearthstone zu spielen, benötigen wir viel Erfahrung und Wissen über die 300 verschiedenen Karten und neun unterschiedlichen Helden. Unser Deck besteht aus jeweils 30 Karten, welches neben den 175 allgemeinen Karten auch immer jeweils 25 spezielle Karten der entsprechenden Heldenklasse enthalten kann. Zusätzlich besitzt jeder Held eine Heldenfähigkeit, welche immer eingesetzt werden kann (vorausgesetzt der Spieler besitzt dafür genügend Manapunkte). So ist es zum Beispiel möglich mit Jana, der Magierin, einen Feuerball heraufzubeschwören, welcher an einem ausgewählten Minion oder Helden einen Schadenspunkt verursacht.


    swiss-hearthstone-server.jpg
    Das grundlegende Spielprinzip von Hearthstone ist simpel, doch sehr taktisch. Hier sehen wir ein Match zwischen einem Schurken und einem Jäger. Der Jäger setzt hier gerade die Wildtiertaktik ein, welche darauf abzielt, viele schwächere Wildtiere auf das Spielfeld zu bringen, welche sich gegenseitig stärken.


    Die Karten selbst teilen sich in die drei (typischen) Kategorien Minions-, Fallen- und Zauberkarten auf. Minion- und Zauberkarten werden sofort nach dem Ausspielen aktiviert, während Fallenkarten erst durch eine bestimmte Aktion ausgelöst werden müssen. Spielen wir eine Minionkarte aus, so wird unser Helfer als Karte auf das Spielfeld gelegt (eventuell werden noch etwaige Fähigkeiten dieser aktiviert). Im Normalfall müssen wir jedoch noch einen Zug warten, bevor wir mit ihm angreifen können. Das Kampfsystem ist in Hearthstone einfach ausgelegt, denn grundsätzlich können wir jederzeit jeden Minion und selbst den gegnerischen Helden angreifen. Einzig die Fähigkeit Spott. welche Angriffe auf den entsprechenden Minion lenkt, verhindert direkte Angriffe. Greifen wir einen Helfer an, so werden die Angriffspunkte des Angreifenden von den Lebenspunkten des Verteidigenden abgezogen. Das gleiche geschieht jedoch auch umgekehrt, was bedeutet, dass auch unser eigener Minion verletzt werden kann.


    schweizer-hearthstone-clan.png
    Das Spiel sucht für uns einen würdigen Gegner.

    Nachdem uns das Spiel die Grundlagen erklärt hat, werden wir zu einigen Übungsrunden gegen den Computergegner verdonnert. Doch während wir nun nacheinander gegen alle neun Helden antreten, erkennen wir schnell, dass jeder Held seine ganz eigenen Strategien hat, welche zum Sieg führen. So nutzt die Magierin Jana vor allem starke Zauberkarten, welche viel Schaden anrichten können, während der Jäger Rexxar unter Anderem die Möglichkeit hat eine ganze Armee von Wildtieren herbeizurufen. Gewisse Taktiken kontern dabei andere problemlos aus und so ist es von grosser Wichtigkeit, dass wir so schnell wie möglich alle Karten und Helden kennenlernen um Strategien früh zu entdecken und darauf zu reagieren. Bereits jetzt explodiert das Internet geradezu vor Strategyguides.

    Nachdem wir nun gegen alle neun Helden einmal behauptet haben, können wir endlich gegen richtige Gegner antreten. Wir klicken also auf 'Spielen' um in das PvP Menu zu gelangen. Dort können wir wählen, ob wir ein ungewertetes oder ein Ranglistenspiel starten möchten. Da wir noch Anfänger sind, entscheiden wir uns erst einmal für ein ungewertetes Spiel. Nachdem wir auf einen 'Ebenbürtigen Gegner' gewartet haben, hoffen wir auf einen sofortigen Sieg, denn wir haben das Spiel ja nun begriffen. Doch ab jetzt werden die Partien deutlich schwieriger, wer nicht überlegt spielt und sich schnell ein taktisch kluges Deck zusammenstellt, der wird schnell mehr als die Hälfte der Spiele verlieren.

    Also werfen wir schnell einen Blick in unsere Kartensammlung. Für den Anfänger sind bereits die ungefähr 170 Karten, welche wir zu Beginn unserer Reise besitzen, eine grosse Herausforderung. Selbst wenn wir uns vom Spiel die Karten vorschlagen lassen - Hearthstone lässt uns dabei immer zwischen drei ähnlichen Karten wählen - können wir ohne entsprechendes Grundlagenwissen kein vernünftiges Deck zusammenstellen, welches einer erfolgreichen Taktik nachgeht. Hier ist sehr viel Geduld und ausprobieren gefragt.


    Pay to Win oder Spass in der Arena

    Obwohl Hearthstone zuerst recht einfach wirkt und mit seiner kurzen Spielzeit von ungefähr 15 Minuten ein regelrechter Lückenfüller ist, zwingt die taktische Tiefe einen Casualspieler schnell in die Knie. Wer in Hearthstone unüberlegt eine Karte spielt, der verliert ein Spiel nach dem anderen. Mit der Zeit fällt jedoch auch auf, dass selbst ein versierter Spieler ohne die richtigen Karten nichts tun kann. Hier kommt das Free to Play System ins Spiel, denn um sämtliche Karten zu erhalten, müssen Kartenpacks gekauft werden. Diese erhalten wir entweder gegen die Ingamewährung Gold, welche wir durch fleissiges Spielen erhalten oder durch das direkte Zahlen von Echtgeld.


    swiss-hearthstone-clan.png
    Die Arena ist (zumindest für Anfänger) der interessanteste Spielmodus von Hearthstone

    Gold erhalten wir entweder durch das Erfüllen der täglich aktualisierten Quests (zwischen 40 und 60 Gold), von welchen wir maximal drei pro Tag erfüllen können, oder das Gewinnen einer Partie (bei drei Siegen 10 Gold). Verlieren wir eine Partie, so erhalten wir keinerlei Trostpreis. Genau hier liegt das Problem des Free to Play Systems von Hearthstone. Denn selbst wenn der Spieler acht Stunden am Stück durchzockt, so kann es theoretisch doch sein, dass er am Ende kaum genug Gold für ein einziges Kartenpack hat. Und damit garantiert ihm noch niemand gute Karten, denn von den fünf in den Kartenpacks enthaltenen Karten, können wir im Schnitt zwei wirklich brauchen. Wenigstens können wir überflüssige Karten durch das Craftingsystem in arkanen Staub umwandeln. Diesen benutzen wir dann um uns neue Karten zu Kraften. Dabei kostet das Craften etwa das fünffache des arkanen Staubs, welches das Zerstören einer gleichwertigen Karte bringt.

    Schneller an gute Karten kommen wir, wenn wir uns für 150 Gold oder umgerechnet 2.20 CHR in die Arena einkaufen. Hier erwartet uns eine Reihe von Matches mit einem aus zufälligen Karten von uns zuvor erstellten Deck. Dieser Modus macht derart Spass, dass man ihn immer und immer wieder spielen möchte, denn anders als beim normalen Modus sind wir hier nicht auf unsere eigenen Sammlung beschränkt. Der Clou besteht nämlich darin, dass wir uns beim Erstellen unseres Decks bei jeder Karte zwischen drei zufällig ausgewählten Karten aus dem ganzen Hearthstone Arsenal entscheiden müssen. Somit besitzt niemand bei Arenapartien einen Vorteil, weil er (oder sie) das Spiel bereits länger gespielt hat und somit mehr Karten besitzt. Haben wir unser Deck zusammen gestellt gehen die Partien auch schon los. In der Arena spielen wir so lange, bis wir dreimal verloren haben. Je nachdem, wie viel Siege wir in dieser Zeit davon getragen haben, werden wir mit mehr oder weniger belohnt. Jedoch bekommen wir dabei immer mindestens ein Kartenpaket und etwas Gold.


    Grafisch nicht so die Bombe

    Natürlich wird von einem Free to Play Titel nicht unbedingt eine unglaubliche Bombengrafik erwartet, erst recht nicht, wenn es sich um ein Kartenspiel handelt. Doch bei einem Studio wie Blizzard sehnen wir uns doch immer ein wenig nach diesen epischen Zwischensequenzen. Hearthstone jedoch bietet (abgesehen vom Launchtrailer) keiner solch grafische Schönheit. Die Minions sind nicht animiert und eine Story, welche irgendwelche Zwischensequenzen verlangen würde, ist schlicht nicht vorhanden. Trotzdem wirkt Hearthstone hübsch genug, denn sowohl die Karten mit ihren Illustrationen, als auch das Spielfeld, sind sehr liebevoll gestaltet und wirken wie aus einem Guss. Auch die Effekte der Zauber und Angriffe der Minions kommen sehr gut rüber.

    Technisch schwächelt Hearthstone jedoch ein bisschen. Zwar läuft das Spiel auf ziemlich jedem Rechner flüssig, doch hat es auch mit einigen unschönen Problemen zu kämpfen. Die Mac Version stürzt andauernd grundlos ab, so dass das Spiel gar nicht genossen werden kann. Bei der Windows Version ist hingegen ein Minimieren nicht möglich. Sobald wir nämlich das Spiel verlassen, stürzt dieses ab mit der Begründung, dass die Verbindung zum Battle.net abgebrochen sei. Für ein Spiel, welches sich annähernd zwei Monate in der Beta befand und insbesondere für ein ziemlich kleines Spiel von einem Studio wie Blizzard, welches für sehr bugfreie Spiele bekannt ist, ist dies eine ziemlich schwache Leistung.

    Zudem wird eine Chatfunktion in den Spielen vermisst. Es gibt zwar die Möglichkeit sich über vordefinierte Sätze kleine Nachrichten wie 'Danke' oder 'Gegrüsst seid Ihr' zu übermitteln. Doch hatte wir öfter das Bedürfnis uns gezielter mit unserem Gegner zu unterhalten. Zuletzt fehlt immer noch der viel geforderte Zuschauermodus. Es wurde zwar offiziell bestätigt, dass dieser sich weit oben bei der Prioritätsliste der Entwickler befindet, doch bisher wurde er immer noch nicht implementiert.


    Eine nette Idee, aber wofür?

    Hearthstone wirkt auf der einen Seite wie ein sehr durchdachtes virtuelles Kartenspiel, auf der anderen wie ein nettes Spiel für Zwischendurch. Alle Klassen sind in erster Linie gut ausbalanciert, erfordern aber durchdachtes Vorgehen, um erfolgreich gespielt zu werden, weshalb das Spiel für die Partie zwischendurch wenig bietet. Für Competitive Play fehlen dem Spiel jedoch noch wichtige Features, wie zum Beispiel einen Zuschauermodus. Im Moment wirkt Hearthstone wie ein Spiel, welches es beiden Partien recht machen möchte, aber bei beiden die Ziele knapp verfehlt.

    Um den Casualspieler bei der Stange zu halten, wäre ein motivierender Spielmodus nötig, der schnell zu vielen Karten führt. Dieser ist zwar gewisser Weise in Form der Arena vorhanden, kann aber auf Grund des Free to Play Systems nicht dauernd gespielt werden. Das Spielen des normalen Modus führt hingegen häufig zu Frust, da ohne entsprechenden Guide einfach die nötigen Kenntnisse fehlen ein vernünftiges Deck zu kreieren. Hier wäre unter Umständen ein in Game Hilfesystem von Vorteil. welches Neulingen hilft, Strategien herauszufinden. Das momentane Feature Karten vorschlagen, nützt dabei nur sehr bedingt.

    Für den Competitive Spieler hingegen ist das Spielprinzip zu sehr auf Glück aufgebaut. Zwar besitzt Hearthstone einen hohen taktischen Anteil und es wird viel Strategie benötigt um seinen Gegner in die Knie zu zwingen. Doch entscheidet nicht zuletzt das Kartenglück, ob wir nun die richtige Karte aufnehmen oder wir Pech haben. Zudem fehlen noch einige Features, um dem Spiel den Weg zum eSport zu ebnen. Ohne einen Chat, die Möglichkeit zu pausieren und nicht zuletzt einem Zuschauermodus ist Hearthstone definitiv noch nicht bereit dafür.


    Fazit

    Hearthstone könnte ein super Spiel sein, vielleicht sogar der nächste grosse Free to Play Hit. Um jedoch wirklich erfolgreich zu werden, müssen dem Spiel noch so einige Kinderkrankheiten ausgemerzt werden. Nur Schade, dass Blizzard diese nicht schon im Betastadium ausgemerzt hat.



    Der offizielle Cinematic Trailer von Hearthstone von Blizzard


    Positives
    Negatives
    Gameplay


    + Grundzüge einfach erlernbar
    + taktisch raffiniert
    + sehr gutes Balancing
    + Der Arenamodus
    - Taktik wird Anfängern nicht erklärt
    - Sofern man alle Karten hat
    - Kein Zuschauermodus
    - Kein In Game Chat
    - zu wenig Abwechslung


    Free to Play

    + kein direktes Pay to Win
    + Keine Verschleierung durch Ingamewährung für Echtgeld
    - Jedoch sehr mühsames Karten sammeln
    - Spielen zahlt sich zu wenig aus


    Grafik / Technik

    + Grafik in sich stimmig
    + Hübsche Animation
    - Bugs (Mac Version stürzt ab/ Spiel lässt sich nicht minimieren
    - Jedoch nicht sehr umfangreich


    Innovation

    + Bewährtes gut umgesetzt
    - Nichts wirkt wirklich neu (Charaktere aus Warcraft, Spielprinzip aus anderen Kartenspielen)
    - Schon wieder ein Ableger einer bestehenden Spielwelt


    Punktzahl 81/100
    Sven 'Zetwonso' Osterholz
    Ich freue mich auf eure Rückmeldungen

    Der nächste Artikel wird voraussichtlich nächsten Freitag veröffentlicht. Es wird eine Preview zum kommenden Assassin's Creed: Unity sein. Ihr könnt jetzt bereits abstimmen, über was in der Woche danach geschrieben wird. Vielen Dank.
     
    Zuletzt bearbeitet von einem Moderator: 11. Apr. 2014
    hugluz, MrChiefpresident, Kartus und 4 anderen gefällt dies.
Die Seite wird geladen...
Ähnliche Themen - Review Hearthstone
  1. PermafrostMusic
    Antworten:
    3
    Aufrufe:
    1.287
  2. 7h3JP
    Antworten:
    5
    Aufrufe:
    1.285
  3. Yldron
    Antworten:
    91
    Aufrufe:
    19.105

Benutzer im Thema (Mitglieder: 0, Gäste: 0)