Mass Effect: Andromeda

Dieses Thema wurde von Zetwonso gestartet, 24. März 2017.

  1. Zetwonso

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    Mass Effect: Andromeda
    Ist der Hate gerechtfertigt?
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    Wer in den letzten Tage sich im Internet umgeschaut hat, dem wird schnell aufgefallen sein, dass es randvoll ist mit kurzen Sequenzen aus Biowares kommenden Tripple A Riesentitel Mass Effect Andromeda. Diese Filmchen zeigen oft fehlerhafte Animationen, insbesondere in den Gesichtern der Charaktere, und machen sich enttäuscht und aufs Schärfste darüber lustig.

    Wenn man dann auch noch so kühn ist und sich in die Kommentarsektion solcher Posts traut, wird dort nicht nur auf visuellen Bugs herumgeritten. Das gesamte Spiel wird beschimpft: Bioware würde mit Mass Effect Andromeda eine halbfertige Verschandlung ausliefern und somit eine noch grössere Hatewelle als bei Mass Effect 3 kreieren.

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    GIFs wie diese tauchen in letzter Zeit en masse im Internet auf. Viele Fans beschweren sich über Animationsbugs und beschimpfen Biowares Spiel bereits vor dem Spiel als Katastrophe.

    Und trotzdem… Ich habe mir das Spiel tatsächlich am Sonntag vorbestellt und das obwohl ich sonst sehr zurückhaltend bin, was Vorbestellungen anbelangt (Man bedenke, dass meine bisher erste und einzige Vorbestellung der erste Watch Dogs Teil war). Warum bestelle ich also ein Spiel vor, dass derart in der Kritik steht? Und diese Kritik ist nicht einmal unbegründet. Viele erinnern sich noch an das schreckliche Ende von Mass Effect 3 und das durch und durch mittelmässige Dragon Age: Inquisition. Nun, da ich dank einer Aktion von EA’s Spieleplattform Origin (siehe Kasten weiter) die Möglichkeit hatte das Spiel bereits 10 Stunden anzuzocken, konnte ich mir ein erstes eigenes Bild machen, was uns mit dem neuen Mass Effect Andromeda erwartet.


    Ein Neuanfang, aber bekanntes Gameplay


    Der Beginn von Mass Effect Andromeda schickt uns - zeitlich kurz nach dem Ende von Teil 2 - erst einmal raus aus der Milchstrasse. Im Rahmen eines privaten Grossprojekts wurden Schiffe in die namensgebende Andromedagalaxie geschickt. Dort wachen wir dann entweder als Sohn oder Tochter des Pathfinders - einer Art Wegbereiter für die Kolonialisierung - nach einem 600 Jahre langen Kryoschlaf auf. Doch wir erreichen nicht wie versprochen eine neue, goldene Welt für die Menschheit, sondern einen von höchst potenten Stürmen geplagten, kargen Planeten. Nach einer unglücklichen Kette von Ereignissen finden wir uns als neuer Pathfinder der Aufgabe gestellt, die zum Scheitern verurteilte Andromedainitiative vor dem drohenden Supergau zu retten.

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    Auch im neuesten Ableger dürfen wir unseren Charakter wieder ganz nach unseren Wünschen anpassen. Allerdings ist der Editor bei Weitem nicht so umfangreich wie bei anderen Spielen.

    Nachdem ich den Prolog durchgespielt hatte, war ich sofort wieder im bekannten Mass Effect Spielgefühl. Auch im neusten Teil erlebt man wieder packende Charaktere und interessante Missionen. Ja, selbst so etwas wie eine Citadel gibt es, wo wir uns mit den verschiedenen Anführern der Initiative rumschlagen müssen. Wir steuern in den Missionen unseren Hauptcharakter mit dem Namen Ryder und können wählen, welche zwei Begleiter wir mit aufs Feld mitbringen wollen. Bisher ist die Auswahl da jedoch noch sehr begrenzt: Wir haben in der Demo die Wahl zwischen einer menschlichen Asaribiotikerin (klingt komisch, ist aber so), einem äusserst humorvollen Soldaten und einer weiblichen Turianerschützin, die ganz im Stile ihres Vorgängers Garrus, einfach nur eine coole Sau ist.

    Auch das Gunplay, das Levelup- System und die typischen Biowareunterhaltungen bleiben der Serie treu und fühlen sich so organisch an, wie eh und je. Selbst die deutsche Synchronisation lässt sich hören und darf ohne schlechtes Gewissen als Alternative zum englischen Original genutzt werden. Und nicht zuletzt hat Bioware uns eine gelungene Neuauflage der Normandie mit dem Namen Tempest spendiert, wohl verstanden inklusive charismatischen Piloten. Aus diesem Grund kann ich schon sicher sagen, dass sich Mass Effect Andromeda für mich soweit richtig anfühlt. Dieses erprobte Grundkonzept macht einfach Spass und bildet weiter die Grundlage für das gesamte Spiel.
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    Eine Neuerung ist der Scanner, den wir häufig nutzen um Gegenstände in unserer Umgebung zu suchen. über ihn erhalten wir zudem wichtige Forschungspunkte, mit denen wir neue Waffen, Rüstungen und sonstige Technologie freischalten.

    Den Kampf im Detail ver(schlimm)bessert


    Trotz all dieser Vertrautheit, wagt Mass Effect Andromeda uns mit einigen gezielten Neuerungen ein erfrischendes Spielgefühl aufzutischen. Dies sowohl zum Guten, als auch zum Schlechten. Zum Beispiel fühlen sich die Kämpfe nun dank Jetpack und Boost nun deutlich flotter an. Allerdings zu Lasten der taktischen Tiefe. Während wir in den Vorgängern unseren KI- Begleitern noch Befehle geben konnten, um so den Einsatz der Spezialkräfte sinnvoll zu koordinieren, können wir nun nur noch per Knopfdruck angeben, wohin sich unsere Begleiter begeben sollen, alles andere machen sie automatisch. Das funktioniert allerdings überraschend gut. Denn jedes Mal, wenn ich mit meiner Biotik- Pathfinderin ein Ziel kampfunfähig gemacht habe, fokussierten sich meine Begleiter sofort darauf. Vorbildlich!

    Auf der anderen Seite enttäuscht die Gegner KI stellenweise. Als ich im Kampf gegen eine ganze Horde von Gegnern mich auf dem Dach eines Gebäudes verschanzt hatte, war das wohl zu fordernd. Der riesige Koloss, der mich eigentlich über die ganze Map hätte verfolgen sollen, fand keinen Weg zu meinem Trupp hinauf und auch die kleineren Gegner besuchten mich nur vereinzelt. Gegen Ende des Kampfes bemerkte ich dann auch zwei Gegner, die einfach an ihrem Spawnpunkt stehen geblieben waren und sich dort seelenruhig von mir abknallen liessen. Ein solcher Bug sollte auf jeden Fall nicht passieren. In den übrigen Kämpfen war die KI jedoch durchaus in der Lage mich aufs Korn zu nehmen, insbesondere dann, wenn das Schlachtfeld genug klassische Deckung bot.

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    Die Kämpfe sind dank neuer Bewegungsmöglichkeiten noch einen Tacken flotter als bisher. Weiterhin funktioniert aber die Mischung aus Gunplay und Spezialkräften sehr gut. Da macht sogar die KI der Verbündeten mit.

    Eine offenere Welt


    Dass die KI manchmal überfordert ist, könnte durchaus an der Spielwelt liegen, die in diesem Teil weitaus offener ausfällt, als bisher. Während wir uns in den vorherigen Teilen eigentlich nur durch einen vorgegebenen Schlauch von Schlachtfeld zu Schlachtfeld gehangelt haben, schafft es Mass Effect Andromeda uns endlich glaubhaft zu machen, dass wir uns tatsächlich auf einem Planeten umsehen.

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    Dabei hilft uns der neue Nomad, wie gehabt mit sechs Rädern ausgestattet, und dieses Mal ist er tatsächlich lenkbar. Besonders toll: Der Nomad ist zwar unbewaffnet, aber wir können Gegner auch gemütlich mit unserem Gefährt über den Haufen karren und uns einige Kämpfe so etwas erleichtern. Die offenere Spielwelt wirkt dabei aber eher als erweiterter Hindernisparkour, wirkliches Erkunden lohnt sich nicht. Stattdessen gaukelt sie einem gekonnt Freiheiten vor, ohne einem zu sehr von der Leine zu lassen. Ein gelungener Kompromiss.

    Neben der Hauptmission gibt es wie gehabt auch Nebenmissionen, die es auch einmal in mehreren Gebieten zu absolvieren gibt. Diese reichen von einfachen ‚Finde alle toten Siedler‘ bis hin zu komplexen Investigationen, bei denen man einen scheinbar eindeutigen Mordfall aufklären muss. Natürlich inklusive schwieriger Entscheidungen. Diese Nebenaufgaben fügen sich gut in die Hauptmissionen ein. Dagegen fühlt sich das Suchen von Ressourcen immer noch klobig an. In der Spielwelt gibt es viele Rohstofffelder, in denen wir Abbauroboter platzieren können, die für uns dann Rohstoffe einsammeln. Das hört sich nicht nur langweilig an, das ist es auch. Daneben hat auch das bereits bekannte Scannen von Planeten wieder seinen Weg ins Spiel gefunden. Immerhin sieht das jetzt dank einer prächtigen Animation hübscher aus.

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    Die Spielwelt ist viel offener gestaltet als bisher. Das fühlt sich zwar so an, als ob man einen ganzen Planeten erkundet, artet dann aber im Abgrasen der Missionen aus. Allerdings macht das Fahren mit dem Nomad nun erstmals Spass.

    Die gefundenen Ressourcen können wir dann für Forschung und Entwicklung neuer und stärkerer Waffen, Panzerung und sonstiger Tech einsetzen und so unseren Charakter verbessern. Das System wirkt allerdings auf den ersten Blick eher kompliziert als nützlich, da sämtliche Menus verwirrend ineinander verschachtelt sind. Das gilt im weiteren Sinne auch für die gesamte Tastatursteuerung, die zwar netterweise komplett anpassbar ist, jedoch in vielen Menus gleichen Tasten unterschiedliche Aktionen zuteilt. So bedeutet im einen Menu die Spacebar ‚bestätigen‘, im nächsten heisst sie dann ‚zurück‘. Unlogisch.

    Ein schönes Detail finde ich hingegen, dass sich die Charaktere auf den Wegen gerne miteinander unterhalten und wir mehr über ihre Vorgeschichte und Probleme erfahren. So etwas gab es zwar auch bereits in den vorherigen Teilen, doch hier ist es weitaus organischer eingewebt als zuvor. Leider gab es in den ersten paar Stunden noch nicht viel von unseren Begleitern zusehen. Hier hält sich Bioware, wie auch bei der Geschichte, noch etwas zurück. Vermutlich kommen jedoch zu den anfangs erwähnten drei Begleitern noch eine junge Assari und ein schiesswütiger Kroganer hinzu.

    Wie schlimm ist die Technik?


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    Gerade die Umgebungen sind in Mass Effect: Andromeda einfach nur atemberaubend gestaltet. Selbst, wenn man das Spiel nicht auf höchster Stufe spielt, muss man zugeben, dass es sich hier um eine Next- Gen Graphikbombe handelt.

    Wer sagt, dass Mass Effect Andromeda ein hässliches Spiel ist, sollte meiner Meinung nach dringend einmal zum Optiker gehen. Selbst, wenn das Spiel nicht annähernd auf der maximalen Graphikstufe läuft, sieht es einfach nur fantastisch aus. Insbesondere stechen da die bildgewaltigen Hintergründe der Andromegalaxie auf, die bei jedem Blick aus den Fenstern zu sehen sind. Darüber hinaus sieht bereits die Prologwelt einfach nur bombastisch aus: Blitze, die mit einem wuchtigen Krachen links und rechts des Spielers einschlagen, ominöse Alienbauwerke und Star Wars- ähnliche dunkle Abgründe. Ja, die Umgebung sieht einfach nur chic aus. Ohne Untertreibung etwas vom Schönsten, was wir bisher geniessen durften.

    Auf der anderen Seite sind da die Charakteranimationen, die eher auf dem Stand von 2011 anzusiedeln sind. Zwar sehen die Modelle gerade bei Close- ups auf wunderschöne weise perfekt aus (abgesehen von einigen Iterationen von Tic- Tac- Zähnen), aber die Animationen von Mund und Ausdruck passen einfach nicht zu der sonst perfekten Graphik.

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    Nein, so schlimm, wie es uns die unzähligen GIFs im Internet weissmachen wollen, ist es bei Weitem nicht. Diese zeigen wohl nur die extremsten Beispiele. Solche Bugs sind mir bei meinem Durchgang nicht passiert. Aber! Es gibt unzählige Spiele, die Gesichtsanimationen besser hinbekommen haben als Mass Effect Andromeda. Und trotzdem darf man nicht einfach pauschalisieren. Gerade in den Zwischensequenzen sind die Spielfiguren lebhaft und mit viel Liebe gestaltet. Dort fielen mir allerhöchsten leichte Synchronisationsfehler auf. Ich habe allerdings auch auf Deutsch gespielt.

    Viel ärgerlicher sind dabei die Graphikeinstellungen selbst. Zwar kann man an so ziemlich jedem Schalter drehen, den man sich ausdenken kann. Nur als Beispiel: Es ist möglich das Spiel in 4K zu rendern und dann auf einen Full HD Bildschirm zurückzurechnen. Diese Freiheit wird allerdings bestraft. Egal, ob ich einen simplen Texturenwechsel vornehme, die Schattendetails anpasse oder die Auflösung ändere, ich muss jedes Mal das Spiel komplett neu starten. Das ist bei einer Einstiegsladezeit von bis zu zwei Minuten durchaus mühsam. Wenigstens muss man bei einem unfreiwilligen Tod nur einige Sekunden warten.

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    Fazit


    Wer die Mass Effect-Reihe bisher mochte, der wird auch diesen Teil lieben. So vieles ist wie gehabt gut bis sehr gut. Auch wenn noch kaum Details zur Geschichte bekannt sind, fühlt es sich so an, als ob Bioware auf dem richtigen Weg ist. Die Grundlagen dazu sind nämlich vorhanden: Gute Unterhaltungen, starke Charaktere und eine vielversprechende Exposition zeigen viel Potential in diese Richtung. Auch die Kämpfe sind mehrheitlich spannend und fordernd. Die Mischung aus Shooter und Action-Adventure funktioniert wie gehabt gut, wenn auch mit kleinen Macken. Wenn jetzt mit einem Day One Patch noch etwaige Animationsfehler rausgepatched werden, würde das die bisher so negativ gestimmte Community vielleicht verstummen lassen. Ein Wunschtraum vermutlich. Doch ich denke, dass Mass Effect Andromeda von jedem eine faire Chance verdient hat, die schlechten Erinnerungen vom Ende von Teil 3 zu verdrängen. Und soweit ich das beurteile, ist es auf einem guten Weg dorthin.

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    Das Spiel verdient denn Hass, den es aktuell im Internet erntet bei weitem nicht. Doch wie gut Mass Effect: Andromeda wird, bleibt bis zum Release nur Spekulation.

    Zweiflern würde ich jedoch weiterhin raten bis zu den offiziellen Tests warten, die nach dem Release am 23. März erscheinen werden. Die etwas Mutigeren können sich zuvor schon mit der zehnstündigen Demo ein eigenes Bild machen (siehe Kasten). Auf jeden Fall sollte man sich nicht von den voreingenommenen Fans beeinflussen lassen, die Bioware das mehr als mittelmässige Ende des letzten Teils immer noch nicht verziehen haben und jetzt alles unternehmen um den neuen Teil schlecht zu machen. Ich werde in der Nacht auf den Donnerstag wohl für eine Zeit lang in meinem Zimmer verschwinden und erst wieder aus der Andromedagalaxie zurückkehren, wenn ich das Spiel durchhabe. Darauf freue ich mich. Mass Effect Andromeda wird exklusiv über EA’s hauseigenen Spielehub Origin vertrieben.

    Game on!

    Update 10.04.2017: Ein Afterview nach dem Playthrough (Achtung Spoiler!)

    Mittlerweile habe ich Mass Effect Andromeda zu etwa 90% durch. Das heisst, dass ich die Hauptstory und die meisten Nebenquests (also alle, die nicht nach Schema ‚sammle bitte zehn Mal xy‘ ablaufen) abgeschlossen habe. Fürs Erste werde ich wohl das Spiel etwas ruhen lassen. Allerdings möchte ich einige Ergänzungen zu meiner Preview machen, die den Einen oder Anderen vielleicht interessieren. Schon einmal vorweg: Wer Mass Effect mochte, wird auch das Neue lieben. Es ist ein absolut gutes Spiel geworden.

    Aber alles der Reihe nach. Wie mir immer gesagt wird, erst meckern, dann loben. Was macht Mass Effect Andromeda nicht gut? Zum einen sind da Bugs. Ja, ein viel durchgekautes Thema angesichts der viel diskutierten Animationsprobleme. Diese haben mich allerdings nicht gross gestört, denn sie haben mich allerhöchstens zum Lachen gebracht. Für den Entwickler sind solche visuellen Bugs eher peinlich, aber den Spieler sollten solche Probleme nicht grossartig stören. Nein, mühsame Probleme stellen nur Bugs dar, die das Gameplay massgeblich beeinflussen. Diese waren zwar äusserst rar - in den gesamten achtzig Stunden kamen solche Bugs vielleicht insgesamt fünf Mal vor - aber sie führen zu einer deutlichen Beeinträchtigung des Spiels. Wenn die Gegner- KI oder die eigenen Begleiter sich plötzlich dazu entscheiden, sich nicht mehr zu bewegen, dann ist das ein Problem, das Bioware schleunigst patchen muss. Es kann einfach nicht sein, dass ich einen Spielstand neu laden muss, weil ich einen Schalter (der eigentlich funktionieren müsste) nicht drücken kann.

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    Das zweite grosse Problem sind die Ladezeiten. Diese sind teilweise so ungünstig gesetzt, dass sie das Spiel unnötig abbremsen. Mein Lieblingsbeispiel ist dabei der Eingangsbereich von Port Kadara. Dort landet man mit dem Schiff auf einer separierten Landeplattform. Die Landesequenz ist bereits ein erster Ladebildschirm, darauf folgt jeweils ein weiterer, wenn man in die Badlands (der offenen Weltteil von Kadara) pilgert oder wenn man die Siedlung von Port Kadara besuchen möchte. Letzteres präsentiert sich zudem als ein Warten vor einer verschlossenen Tür. Schlimmer noch, der dabei geladene Ort ist auch nicht sonderlich gross, nur wenige Quadratmeter und einige NPCs. Trotzdem steht man jedes Mal mindestens fünf Sekunden vor dieser Tür. Solche Ladeunannehmlichkeiten finden sich des öfteren. Das Spiel streamt die Level teilweise sehr komisch. Insbesondere in den bevölkerten Gebieten (Nexus, Hyperion, Port Kadara und Tempest) gibt es sehr häufig lästig gesetzte Ladepausen, die einfach nicht mehr zeitgemäss sind.

    Der dritte Punkt, der mich beim Spielen öfter einmal gestört hat, waren die bereits in Dragon Age: Inquisition häufig vorkommenden generischen Quests. Beinahe an jeder zweiten Ecke finde ich jemanden, der noch auf Planet X fünfzehn tote Siedler sucht oder drei verschollene Holopads. Solche Aufgaben strecken das Spiel häufig unnötig und fühlen sich schon beinahe wie Arbeit an. Aber hier kommt das grosse Plus. Manche dieser generischen Arbeitsquests werden plötzlich spannend.Zum Beispiel fragt uns eine Siedlerin auf Eyos, ob wir nicht zwei seismische Bohrer aufbauen könnten um einen unterirdischen Fluss als Wasserquelle anzuzapfen. Sobald wir dann jedoch den zweiten Bohrer anbringen, taucht aus dem Boden ein riesiges Maschinenmonster auf, welches Ryder und ihre Begleiter erst einmal erledigen müssen. Solche Ideen machen dann wieder Lust auf Sammelquests.

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    Das Prunkstück von Mass Effect Andromeda ist aber wiederum die Geschichte. Zwar braucht man fast fünfzehn Stunden, bis man an einen Punkt kommt, an dem es erst richtig losgeht, aber dann… Die Geschichte ist so episch und (pseudo)tiefgründig wie eh und je und wird gegen Ende immer besser. Das Ende des Spiels gehört meiner Meinung nach zum Besten, was die Reihe bisher rausgebracht hat. Viele der Entscheidungen, die man über die Spieldauer erbracht hat, werden in der Endmission noch einmal wichtig. Und der Epilog ist das, was wir bei Mass Effect 3 so sehnlichst vermisst haben. Auch die Loyalitätsmissionen der Begleiter gehören zu den Highlights. Jede von Ihnen erzählt eine interessante und persönliche Geschichte. Dabei fügen sie sich organischer in die Struktur des Spiels ein als eh und je.

    Allgemein muss ich gestehen, dass ich die neuen Charaktere (inklusive den Hauptcharakter Ryder) äusserst spannend finde. Ich wollte immer mehr über sie erfahren. Das gilt auch für die neue Rasse der Angara, welche sowohl in der Mainstory, als auch abseits davon sehr gut unter die Lupe genommen werden können. Auch die Hintergründe um den Anführer der böswilligen Kett, der Archon, entpuppt sich als deutlich Vielschichter, wenn man sich die Zeit dazu nimmt, seinen Gegner kennenzulernen.

    Alles in allem ist Mass Effect ein gutes Spiel mit einer packenden Story, aber vielen technischen Problemen. Ich hatte trotzdem sehr viel Spass beim Durchspielen.


    Bildquellen
    Detailvergleichsbild: gamestar.de
    Afterview Presskit: igdb.com

    Artikel auf Newspage anschauen
     
  2. Kartus

    Kartus Lead Community
    Admin

    Danke für die sehr differenzierten Aussagen im Artikel zu Mass Effect: Andromeda. Deine Artikel sind für mich auf Profi-Niveau :dhoch:
     
    Zetwonso, sirnano1992 und Stefan117 gefällt dies.
  3. Exi

    Exi Berühmtheit

    :troll:

    Der Artikel ist wirklich sehr gut geschrieben. Ich selbst Interessiere mich nicht wirklich für die Mass Effect Serie, allerdings hat dein Schreibstil mich trotzdem dazu verleitet den ganzen Artikel zu lesen :dhoch:
     
    Zetwonso, Stefan117 und Kartus gefällt dies.
  4. Zetwonso

    Zetwonso Berühmtheit
    Legende

    Vielen Dank für die lobenden Worte
     
  5. Castelvetrano84

    Castelvetrano84 Aktives Mitglied

    Ich habe ein Review mit Fazit gemacht
     
  6. PermafrostMusic

    PermafrostMusic Chefredaktion
    Staff

    Zetwonso hat nun noch ein Afterview nach seinem Playthrough geschrieben! Das Afterview kann am Ende des Artikels gefunden werden.
     
    MrChiefpresident, sirnano1992 und Kartus gefällt dies.
  7. Toxilus

    Toxilus Neumitglied

    Super Review! Ich habe beim Spielen sehr ähnliche Erfahrungen gemacht und obwohl ich mich sehr auf das Game gefreut hatte und die vorherigen Titel liebte, hat es bei diesem Teil der Serie irgendwie nicht "klick" gemacht. Nach dem lesen des Artikels werde ich aber sicherlich nochmals einen Versuch wagen und dem Spiel eine zweite Chance geben. Mein "Pile of shame" wird es mir danken ;)
     
    Kartus, Boagil und Zetwonso gefällt dies.
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